Informationen für Lehrer/innen

Was ist selektiver Mutismus?

 

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Selektiver Mutismus beschreibt die Unfähigkeit, in spezifischen sozialen Situationen (z.B. Kindergarten/ Schule) oder mit bestimmten Personen (z.B. Personen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören) zu sprechen.

Selektiver Mutismus tritt häufig im Rahmen von Zweisprachigkeit auf. Außerdem gehen oft auch weitere Sprach- oder Stimmstörungen mit dem SM einher. Selektiver Mutismus (SM) tritt fast doppelt so häufig auf wie Autismus!

Folgenden Merkmale treffen auf Menschen mit selektiven Mutismus zu:

 
  • Das Kind spricht in bestimmten Situationen nicht, zu Hause und mit vertrauten Personen spricht es „normal“,
  • zu Hause: sehr expressiv, redet teilw. extrem viel (Nachholbedarf),
  • das Schweigen besteht länger als 4 Wochen,
  • „blanker“ Gesichtsausdruck,
  • starre Lippen (kein Lächeln),
  • starrer Blick,
  • fehlender Blickkontakt,
  • wirkt wie eingefroren/ versteinert,
  • steifer Körper, angeklemmte Arme, Hände kneten,
  • Schwierigkeiten Interaktion zu initiieren (Begrüßung/ Abschied/ Dank/ Fragen),
  • Reaktionen erfolgen verzögert,
  • Kompensiert Nicht-Sprechen mit sehr guten schriftlichen Leistungen,
  • Hohe Sensibilität auf allen Ebenen,
  • scheint die es umgebende Welt im Vergleich zu Altersgenossen sorgfältiger zu beobachten und wahrzunehmen (auch im Hinblick auf Emotionen), hat aber oft Schwierigkeiten eigene Gefühle auszudrücken.


Das Verhalten mutistischer Kinder wird oft als extrem schüchtern, bockig oder störrisch fehlgedeutet. Eltern werden durch Erzieherinnen und Lehrerinnen zwar über das beharrliche Schweigen informiert, oft genug findet jedoch, auf Grund der Hoffnung, das Kind würde aus dem Schweigen "herauswachsen", keine angemessene Intervention statt.

Eine richtige Diagnose und damit verbundene therapeutische Schritte sind für ein solches Kind jedoch von großer Bedeutung. Die Erfahrung zeigt, dass sich bei ohne Eingreifen das Störungsbild stärker manifestieren kann, sich über Jahre hält und sich letzten Endes die pathologischen Kommunikationsmuster bis ins Erwachsenenalter hineinziehen.

Beispiel: Lisa

Lisa M. (1. Klasse) ist im Gruppenunterricht sehr still. Mündlich beteiligt sie sich nicht, auch auf direkte Aufforderungen reagiert sie mit Schweigen. Sie spricht eigentlich mit niemandem ein Wort, selbst zur Begrüßung nicht. Lisa baut auch keinen Blickkontakt auf und oft wirkt sie wie versteinert.
Im Elterngespräch stellte sich heraus, dass Lisa bereits im Kindergarten mit niemandem gesprochen hat, bei Gruppenaktivitäten und dem gemeinsamen Singen machte sie nie mit.
Zu Hause redet Lisa hingegen wie ein Wasserfall, auch in Gegenwart ihrer besten Freundin verhält sie sich normal.

Kennen Sie ein ähnliches Kind?
Sind Sie nicht sicher ob es einfach nur schüchtern ist, oder ob doch mehr dahinter steckt?

Was kann ich als LehrerIn tun?

Empfehlen Sie eine sprachtherapeutische Untersuchung des Kindes. Hierzu ist eine Heilmittelverordnung über Sprachtherapie nötig, die von dem behandelnden Kinderarzt oder HNO Arzt ausgestellt wird.

Es handelt sich um eine Sprachentwicklungsverzögerung, der Indikationsschlüssel SP1 muss auf der Verordnung angegeben sein.

Die Therapie wird von den Krankenkassen bezahlt und wird von (mit dem Störungsbild vertrauten) Sprachtherapeuten (Logopäden, Sprachbehindertenpädagogen oder Atem-, Sprech- und Stimmlehrern) durchgeführt.
Eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, Lehrern und ggf. Psychotherapeuten ist zu empfehlen.

 Hilfreiche Fragen für die Begleitung von mutistischen Kindern:

 

  • Wie, wann und mit wem kommuniziert das Kind?
  • Welche nonverbalen Mittel setzt das Kind ein?
  • Wie kann es seine Ziele erreichen?
  • Reagiert das Kind angemessen auf Anweisungen?
  • Hält das Kind Blickkontakt? (Wenn ja, wann und mit wem?)
  • Was kann das Kind besonders gut?
  • Gibt es Ausnahmen? (Hat das Kind schon einmal „aus Versehen“ gesprochen? Wann, wo, mit wem?)
  • Was bewirkt das Kind mit seinem Schweigen?
  • Wie reagiere ich, wie andere auf das Nicht-Sprechen?


 Wie gehe ich mit dem Nicht-Sprechen um?

 
  • Das Schweigen nicht persönlich nehmen!
  • Das Nicht-Sprechen als aktives Handeln erkennen, das – irgendwann einmal- einen brauchbaren Zweck für das Kind / den Jugendlichen erfüllt hat.
  • Das Schweigen kann von den Betroffenen nicht bewusst unterlassen werden, da es über Jahre hinweg entwickelt und aufrechterhalten wurde.
  • Nicht zum Sprechen auffordern oder gar drängen. Die Erfahrung des „Versagens“, des Nicht-Antworten-Könnens machen die Kinder ohnehin schon viel zu häufig. Jede Aufforderung zum Sprechen erhöhnt den Druck auf das Kind und die Angst vor dem nächsten Sprechanlass.
  • Heben Sie die erste Äußerung des Kindes nicht hervor.
  • Stellen Sie das Kind nicht in den Mittelpunkt.
  • Grenzen Sie das Kind nicht aus.
  • Die letztendliche Entscheidung, ob und wann das Nicht-Sprechen aufgegeben wird, trifft der Betroffene selbst! Das haben wir zu erkennen und zu akzeptieren! Unsere Aufgabe besteht im Allgemeinen darin, zu begleiten, im Bereich der Kompetenzen zu fördern, uns in Geduld zu üben und verstehen zu lernen.

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Zum Hainholz 51
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