Informationen für Erzieher/innen

Was ist selektiver Mutismus?

 

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Immer wieder kommen Kinder, die zunächst nicht mit uns sprechen, in die Kindertagesstätten. Die meisten finden sich nach ein paar Tagen ein und sprechen nach und nach mit einigen oder mit allen Personen.

 
  • Was aber, wenn Kinder weiter schweigen?
  • Uns verstehen, aber nur mit großen Augen ansehen?
  • Uns nur nonverbal ihre Wünsche und Bedürfnisse wissen lassen?
  • Wenn Gestik und Mimik zeigen können, wie sie sich fühlen, sie jedoch nicht mit uns sprechen.
  • Auf Fragen nicht reagieren, bei Ansprache wie angewurzelt stehen bleiben oder weglaufen während sie zu Hause sprechen?


Dann könnte es sich um das "Nicht-Sprechen unter bestimmten Bedingungen" dem so genannten selektiven Mutismus handeln (nicht zu verwechseln mit dem sehr viel seltener auftretenden Autismus!). Das Kind ist nicht fähig, unter spezifischen Bedingungen die eigenen sprachlich- sprecherischen Möglichkeiten zum Erreichen von Zielen einzusetzen.

Woher kommt das Nicht-Sprechen?

In vielen Situationen hat das Kind das Nicht-Sprechen als sinnvoll erlebt.

Keine einzelne Ursache sondern ein komplexes Bedingungsgefüge haben die Entwicklung dieser Handlungsstrategie begünstigt. Ein traumatisches Erlebnis liegt in der Regel nicht vor. Gemeinsam mit den Eltern gilt es in der sprachtherapeutischen Diagnostik dieses Ursachengefüge zu erkennen und Fördermöglichkeiten zu erarbeiten.

 Hilfreiche Fragen...

... für das Verstehen, für Beobachtungen und für Elterngespräche:

    •    Wie, wann und mit wem kommuniziert das Kind?

    •    Hält das Kind Blickkontakt? Wenn ja wann und mit wem?

    •    Welche nonverbalen Mittel setzt das Kind ein?

    •    Wie kann es seine Ziele erreichen?

    •    Reagiert das Kind angemessen auf Anweisungen?

    •    Mit welchen Kindern spielt das Kind?

    •    Was kann das Kind besonders gut?

    •    Gibt es Ausnahmen? Hat das Kind einmal "aus Versehen" gesprochen?

In welcher Situation? Können ähnliche Bedingungen wiederhergestellt werden?

 Was kann ich als ErzieherIn tun?

Sollte das Schweigen länger als vier Wochen andauern, gilt es professionelle Hilfe einzuholen. Empfehlen Sie den Eltern, vom Kinder- oder HNO-Arzt eine Heilmittelverordnung über Sprachtherapie anzufordern. Es handelt sich um eine Sprachentwicklungsverzögerung; der Indikationsschlüssel SP1 muss auf der Verordnung angegeben werden. Die Therapie wird von den Krankenkassen bezahlt. Mit dieser Verordnung können nun die Eltern ihr Kind zu einer genaueren diagnostischen Überprüfung bei einem Sprachtherapeuten (Sprachheilpädagogen, Atem-, Sprech- und Stimmlehrer oder Logopäden) vorstellen.

Anhand verschiedener Beobachtungssituationen und Gespräche wird festgestellt, ob es sich schon um Mutismus oder eine andere Sprach-, Sprech- bzw. Kommunikationsstörung handelt und welche Maßnahmen zu Hause und in der Einrichtung ergriffen werden können. Es empfiehlt sich, das Nicht-Sprechen "vor Ort" zu beobachten und Beratungsangebote von Sprachtherapeuten in Anspruch zu nehmen.
So erhalten Sie wichtige Anregungen für den Umgang mit dem betroffenen Kind im Alltag.

Die Erfahrung zeigt, dass sich bei Nicht-Eingreifen das Störungsbild stärker manifestieren kann, sich über Jahre hält und sich letzten Endes die pathologischen Kommunikationsmuster bis ins Erwachsenenalter hineinziehen.

 Wie gehe ich mit dem Nicht-Sprechen um?  

 
  • Das Schweigen nicht persönlich nehmen!
  • Das Nicht-Sprechen als aktives Handeln erkennen, das früher einen brauchbaren Zweck für das Kind erfüllt hat.
  • Das Schweigen kann von dem Betroffenen nicht bewusst unterlassen werden, da es über Jahre hinweg entwickelt und aufrechterhalten wurde.
  • Nicht zum Sprechen auffordern oder gar drängen. Die Erfahrung des "Versagens", des Nicht-Antworten-Könnens machen die Kinder ohnehin schon viel zu häufig. Jede Aufforderung zum Sprechen erhöht den Druck auf das Kind und die Angst vor dem nächsten Sprechanlass.
  • Mit ersten Äußerungen des Kindes sensibel umgehen (eher nicht hervorheben).
  • Stellen Sie das Kind nicht in den Mittelpunkt!
  • Die letztendliche Entscheidung, ob und wann das Nicht-Sprechen aufgegeben wird, trifft der Betroffene selbst. Das sollten wir anerkennen und akzeptieren! Unsere Aufgabe besteht darin, zu begleiten, im Bereich der Kompetenzen zu fördern, uns in Geduld zu üben und verstehen zu lernen.
 

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